Fake

Ab 28. Oktober 2018

Fake News, Fake-Profile und Fake-Produkte. Konzerne, die schummeln. Sportler, die dopen. Politiker, die nicht die Wahrheit sagen — so viel Fake wie heute war noch nie. Und wir sind mittendrin. Und fragen uns: Was ist echt, was ist wahr und was gelogen? Wem können wir, wem sollten wir vertrauen?

Für die Ausstellung FAKE verwandelt sich das Stapferhaus in das Amt für die ganze Wahrheit. Darin sind wir eingeladen, den Lügen auf den Zahn und der Wahrheit den Puls zu fühlen. Wir haben zusammen zu entscheiden, welche Lügen wichtig, welche nötig und welche tödlich sind.

Die Wahrheit braucht dich!

Beim Gang durchs Amt machen wir uns an den Faktencheck. Wir begegnen Verantwortungsträgern, die um Wahrheit ringen. Wir staunen über lügende Fische, diskutieren über Ehrlichkeit in der Liebe und Höflichkeiten im Alltag. Und wir stellen uns dem Ruf des Chefbeamten: Die Wahrheit braucht dich!

Einführungsbereich

Das Amt für die ganze Wahrheit ist eine Behörde neuer Art, in der die Besucher genauso wichtig sind wie die Mitarbeiter des Hauses. Da ist es unverzichtbar, zu Beginn eine kurze Einführung zu erhalten. Der Chefbeamte lässt es sich nicht nehmen, höchstselbst in einer kurzen Rede über die Brisanz des Themas und die Notwendigkeit des Amtes zu informieren. Bei der Gelegenheit kann er sich zugleich ein erstes Bild von den Haltungen der Besucher gegenüber Wahrheit und Lüge verschaffen. Mit dem Motto «Die Wahrheit braucht dich!» öffnet er die Türen zu den Fluren seiner Behörde. Dort werden den Besuchern zahlreiche weitere Mitarbeiter begegnen.

Zentrale Lügenanlaufstelle

Das Zentrum des Amts für die ganze Wahrheit: Hier kommen kistenweise neue Lügen und Behauptungen an, die auf ihre Einschätzung durch die Besucher warten: Welche Lüge ist verzeihlich, welche ist tödlich? Welche ist womöglich sogar nötig und welche ist einfach nur lustig? Die Besucher sind eingeladen, möglichst vielen Lügengeschichten in Text, Ton und Film auf den Grund zu gehen. Wie verhält sich der Abgasbetrug zur Lebenslüge eines Menschen? Ist die Schwalbe, die zum entscheidenden Elfmeter führte, akzeptabel oder sollte man die Betrüger zur Rechenschaft ziehen? Jede neue Einschätzung wirkt sich auf die Gesamtbeurteilung aus, die im Ausstellungsverlauf ständig aktualisiert wird.

Dienststelle Wahrheitsfindung und -sicherung

So viele neue Nachrichten jeden Tag – wie soll man die alle überblicken? Wie kann man sich dagegen schützen, von Falschmeldungen überrollt zu werden? Genau darum geht es in der Dienststelle für Wahrheitsfindung und -sicherung. Hier dreht sich alles um den Faktencheck. Allein oder als Team lernt man anhand von realen echten und falschen Nachrichten, wie man sie effektiv auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Nicht immer sind die Ergebnisse eindeutig. Umso wichtiger ist, dass möglichst viele mitarbeiten und jeder seinen Teil dazu beiträgt, so nah wie möglich an die Wahrheit heranzukommen.

Abteilung für strategische Täuschung

Nur die Menschen kennen die Lüge. In der Natur dagegen ist alles echt – oder doch nicht? Schliesslich gibt es Tiere, die raffinierte Techniken entwickelt haben, sich fast unsichtbar zu machen oder möglichst bedrohlich zu erscheinen, um den Fressfeind einzuschüchtern. Oder die kleine und grosse Tricks ersonnen haben, um das andere Geschlecht zu beeindrucken und sich damit einen Vorteil bei der Fortpflanzung zu verschaffen. Ziemlich unübersichtlich für Aussenstehende. In der Abteilung für strategische Täuschung kommen einige Tiere selbst zu Wort, die von ihrem Leben zwischen Wahrheit und Lüge berichten. Menschlicher, als man denkt.

Prüfstelle für Fälschungen und ihr Gegenteil

Kunstwerke, Designikonen, Reliquien, Markenartikel – Originale haben ihre ganz eigene Aura. Wer auf eine Fälschung hereinfällt, fühlt sich zutiefst betrogen, selbst wenn das gefälschte Produkt vom echten nicht wirklich zu unterscheiden ist. Die Gründe hierfür reichen historisch weit zurück. Damals wie heute gibt die Unterscheidung zwischen «echt» und «gefälscht» Orientierung – und stabilisiert nicht zuletzt das Rechts- und Wirtschaftssystem. Darüber informiert die Prüfstelle für Fälschungen und ihr Gegenteil. Autor- und Urheberschaft müssen überwacht und kontrolliert, mit Zertifikaten und Prüfmethoden abgesichert werden, damit der Fake nicht überhandnimmt.

Medienstelle für Fake News

Auch wenn sie gerade in aller Munde sind: «Fake News» sind nicht neu. Die Medienstelle für alte und neue Fake News zeigt, dass noch jedes neue Massenmedium von einer doppelten Bewegung gekennzeichnet war: Zum einen hegte man die Hoffnung, durch das neue Medium der Wahrheit näher zu kommen: Das Foto zeigt die Realität «echter» als das Buch; die originale Tonaufnahme scheint authentischer als die Stimme eines Erzählers; die CNN-Liveberichterstattung wirkt unmittelbarer als ein aufwendig produziertes Feature. Zum anderen stellte sich sehr schnell heraus, dass ein neues Medium auch neue Möglichkeiten der Fälschung mit sich bringt. Angesichts des Internets und der sozialen Medien stellt sich die Frage nach der Freiheit und Notwendigkeit der Kontrolle von wahren und falschen Nachrichten heute wieder besonders intensiv.

Labor für Lügenerkennung

Körperreaktionen, typische Kopfformen, eine verräterische Mimik – der Traum, durch wissenschaftliche Verfahren erkennen zu können, ob ein Mensch lügt oder nicht, stirbt nicht aus. In manchen Ländern sind Lügendetektoren sogar vor Gericht erlaubt und in zahlreichen TV-Serien treten Psychologen auf, die an kleinen unwillkürlichen Zeichen des Verdächtigen sehen, ob hier gelogen wird. Im Labor für Lügenerkennung können die Besucher dies selbst erproben, indem sie sich oder ihren Begleiter einem Lügendetektortest unterziehen oder versuchen, durch besonders überzeugende Beschreibungen von unwahrscheinlichen Szenen die anderen von der Wahrheit zu überzeugen.

Fachabteilung für Lügenerziehung

Das Gebot «Du sollst nicht lügen» begleitet einen das ganze Leben – und doch hält sich kaum einer konsequent daran. Tatsächlich muss man Wahrheit und Lüge erst lernen – so wie Pinocchio, die vermutlich bekannteste Kindergestalt der Literaturgeschichte. Im Lebensverlauf muss man sich immer wieder neu befragen, warum man der Verlockung, sich durch Lügen das Leben – vermeintlich – zu erleichtern, widersteht. Ist es vor allem die Angst vor Strafe? Oder der Glaube an eine höhere Instanz, die man nicht betrügen mag? Oder ist es die grundsätzliche Überzeugung, dass eine Gesellschaft nur dann funktionieren kann, wenn sich alle an das Gebot halten?

Kommission für Glaubwürdigkeit

Keiner kann alles wissen. Jeder ist auf Institutionen und Personen angewiesen, denen man vertrauen kann. Sie helfen dabei, zwischen Wahrheit und Lüge verlässlich zu unterscheiden. Wie gehen diese dabei vor? Und was machen sie, wenn sie selbst einmal nicht ganz sicher sein sollten? Sind sie dann ehrlich und riskieren, dass das Vertrauen in ihre Autorität schwindet, oder versuchen sie, unter allen Umständen Sicherheit auszustrahlen, weil diese am Ende mehr wiegt als der Einzelfall? Als Teilnehmer der Kommission für Glaubwürdigkeit können die Besucher den spannenden Diskussionen über den professionellen Umgang mit Lügen in unterschiedlichen Berufszweigen folgen: dem Arzt, dem Pfarrer, dem Anwalt ...